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Gibt es einen Euro-Islam?


Christian Kasper

Diese brisante Frage diskutierte die „denkfabrik österreich“ in Kooperation mit dem Wiener Akademikerbund. Nur ein offener Dialog miteinander kann ein friedliches Zusammenleben der großen Religionen in Österreich garantieren.

Eine Grundvoraussetzung für ein Leben miteinander, nicht nebeneinander, sei die Anerkennung der säkularen Spielregeln in den westlichen Demokratien, meinte Wolfram Eberhardt, Journalist und Buchautor. Er verwies darauf, dass die Muslime daher auch die westliche Gesetzgebung akzeptieren und leben müssen. Die westlichen Gesellschaften ihrerseits müssen jedoch auch für einen offenen Dialog bereitstehen. „Wir können uns die Angst voreinander nur dann nehmen, wenn wir voneinander lernen“, so Eberhardt.

Landtagsabgeordnete Mag. Sirvan Ekici, Buchautor Wolfram Eberhardt, Moderator Mag. Peter Danich, Dr. Christian Zeitz, Vorstandsmitglied des Wiener Akademikerbundes, und Islamwissenschafter Mag. Dr. Mouhanad Khorchide diskutieren die Perspektiven des Euro-Islam.

Für Dr. Mouhanad Khorchide, Islamwissenschafter und Soziologe, sind viele Probleme eher der sozialen Lage der Muslime als einem religiösen Ursprung zuzuschreiben. Schlechte Ausbildung und hohe Arbeitslosigkeit führen zur mangelnden Verwurzelung in Österreich. Erst diese Orientierungslosigkeit mache viele für Extremismus empfänglich. Nur wenn es gelingt, die Probleme im Bildungssektor zu lösen und Aufstiegsperspektiven für Muslime zu schaffen, werde es ein friktionsfreies Miteinander geben können. Eine breite muslimische Mittelschicht in Österreich sei ein erstrebenswertes Ziel.

Dr. Christian Zeitz, Vorstandsmitglied des Wiener Akademikerbundes, beklagte den mangenden Fortschritt im Dialog von Muslimen und der österreichischen Gesellschaft. Der Dialog der letzten 15 Jahre habe keine substanziellen Fortschritte gebracht. Muslime, die in zweiter und dritter Generation in Österreich leben, identifizierten sich zu wenig mit den westlichen Grundwerten. Der Islam habe die Bringschuld, seine Glaubensgrundlagen in deutscher Sprache darzulegen. „Integration heißt auch ein Zurücklassen von Werten für die Muslime, “ so die Überzeugung von Zeitz. Muslime müssen in den Bereichen Frauenbild, Verhältnis zur Gewalt, Vergeltungsrecht sowie Glaubensabfall von ihren derzeitigen Standpunkten abrücken und endlich neue und mit dem Westen kompatible Lösungen erarbeiten, so Zeitz.


Die Situation der Muslime in Österreich sei einzigartig und man könne auf dieser Tradition aufbauen, meinte Sirvan Ekici, Landtagsabgeordnete der ÖVP- Wien. Seit 1912 ist der Islam in Österreich als Religionsgemeinschaft anerkannt. Die heutigen Probleme sind die Ergebnisse mangelnder Integrationspolitik der 50er und 60er Jahre. Man habe ungelernte Arbeiter angeworben und sich nicht darum gekümmert, dass diese auch Deutsch lernen als eine Voraussetzung für Integration. Aktive Integrationspolitik beginne bei der Bildung und im Kindergarten. Bildung sei der Schlüssel zu einem friedlichen Miteinander. Ekici forderte abschließend deutsche Predigten in den heimischen Moscheen.

 

Veranstaltungsbericht (Di., 11.11.2008, 19.00 Uhr)

Quelle: www.modernpolitics.at

 

 

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