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Islam-Experte P. Troll:
Muslime haben gleiche Rechte Der deutsche Jesuit sprach sich bei Vortrag in Wien für "friedliche Streitkultur in kritischer Sympathie" aus - "Solide Information" über den Islam ist notwendig Wien, 5.9.08 (KAP) Die Christen müssen sich dafür einzusetzen, dass Muslime in Europa als gleichberechtigte Partner leben können: Dies betonte der deutsche Islam-Experte P. Christian Troll SJ am Donnerstagabend bei einem Vortrag im Wiener Curhaus am Stephansplatz. Berechtigte Forderungen der Muslime wie nach Zulassung von Moscheen oder nach einer institutionellen Betreuung von Kranken und Gefangenen seien zu unterstützen, so P. Troll. Die Christen seien zugleich aber auch in besonderer Weise aufgefordert, "solide Informationen" über die Muslime und den Islam einzuholen, um jene Strömungen ausmachen zu können, "die in Mentalität und Praxis" gegen die europäische Werteordnung gerichtet sind. Der deutsche Jesuit war auf Einladung der Päpstlichen Missionswerke in Österreich ("Missio"-Austria) in Wien. Den Muslimen in Europa müsse etwa klar sein, dass eine vom kanonischen Recht der "Sharia" geprägte Sondergesetzgebung in den Bereichen Ehe, Familie, Erbrecht usw. in Europa nicht möglich ist, so der Islam-Experte weiter. Das auf christlicher Tradition beruhende "aufgeklärte politische System" sei für alle in Europa lebenden Menschen verpflichtend. Einzelne Elemente der "Sharia", etwa im Hinblick auf die Stellung der Frau, stünden in klarem Widerspruch zur europäischen rechtlichen Verfasstheit und dem christlichen Menschenbild, so der deutsche Jesuit. Dunkle Seiten des Islam dürften auch nicht um eines vermeintlichen Friedens willen ausgeblendet werden. Kritik wie Selbstkritik trage zur Weiterentwicklung bei und sei die Basis eines seriösen Dialogs. P. Troll sprach sich für eine "friedliche Streitkultur in kritischer Sympathie" aus. Nur in der Haltung des grundsätzlichen Respekts vor den religiösen Überzeugungen des anderen könne man dessen Andersartigkeit letztlich auch aushalten. Zur Diskriminierung und Verfolgung von Christen in muslimisch geprägten Ländern meinte der Jesuit, dass es die dringende Aufgabe der Christen sei, darauf immer wieder vehement hinzuweisen und das moralische Grundprinzip der Gerechtigkeit einzufordern. Zugleich dürfe man das eigene Handeln aber nicht von der Erfüllung dieses Prinzips durch andere abhängig machen. Christliches Handeln gehe weit über das bloße Prinzip der Gerechtigkeit hinaus. Es wäre auch ungerecht, in Europa lebende Muslime für die Situation in ihren Herkunftsländern zur Verantwortung zu ziehen. P. Troll erinnerte daran, dass sich die "Goldene Regel" (Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu) auch in der islamischen Tradition und Literatur findet.
P. Troll gilt als einer der profiliertesten Vertreter des christlich-islamischen Gesprächs. Er ist Honorarprofessor für Islam und christlich-islamische Begegnung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Jesuiten in Frankfurt-St. Georgen. Der Islam-Experte sprach u.a. 2006 beim "Schülerkreis"-Treffen des Papstes in Castel Gandolfo. Von 1992 bis 2001 hielt er jedes Jahr Vorlesungen und Seminare an der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara. In seiner Einleitung zum Vortrag von P. Troll betonte Msgr. Leo Maasburg, Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich: "Wir haben es dringend nötig, mehr über unsere muslimischen Brüder und Schwestern zu erfahren. Denn wenn wir sie nicht kennen, können wir sie nicht lieben". Der Vortrag von P. Troll war der Beginn einer neuen Bildungsoffensive von "Missio"-Austria. Mit Blick auf den Weltmissionssonntag am 19. Oktober sollen viele Menschen für die Arbeit der Kirche in den Ländern des "Südens" begeistert werden. U.a. sind Begegnungen mit zwei Gästen aus Kolumbien, dem Schwerpunktland des diesjährigen Weltmissionssonntages, vorgesehen. O-Töne von P. Troll sind unter "www.katholisch.at/o-toene" im Internet abrufbar. (ende) 5.9.08 Ktahweb |
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