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Muslime in Europa: Hindernisse beim Dialog
Stefan Beig
Wiener
Konferenz über die Chancen geglückter Koexistenz.
Primär auf
theologische Wurzeln, die im Islam eine christliche Häresie sehen, führte
Udo Steinbach vom Marburger Zentrum für Nahost- und Mittelost-Studien die in
Europa wachsende Islamfeindlichkeit zurück. "Je nach politischer Situation
greift man auf dieses Erbe zurück", erklärte Steinbach. Jüngstes Beispiel
sei der niederländische Politiker Geert Wilders, für den der Koran ein
faschistisches Dokument ist. Seit Ende des Kalten Krieges werde die rote
durch die grüne Gefahr ersetzt.
"Halbgelehrte bilden sich ein, sie wüssten, was der Islam lehrt, weil sie
den Koran gelesen haben", meinte dazu Elshahed im Gespräch mit der "Wiener
Zeitung". Das führe zu Missverständnissen. "Koran-Interpretation ist eine
große Wissenschaft. Ohne ihre Kenntnis und die Fähigkeit den Koran auf
Alt-Arabisch zu lesen, kann man den Koran nicht richtig verstehen."
Störfaktor Extremismus
Für den
deutschen Religionswissenschaftler Peter Antes hat heute gerade der
Religionsunterricht eine wichtige Funktion. Er müsse dazu befähigen, über
die eigene Religion Auskunft zu geben. "Religiöse Identität entsteht erst in
der Auseinandersetzung mit anderen Religionen", so Antes.
Haupt-Störfaktor beim Dialog sind für Elshahed Extremisten, "die es in allen
Religionen gibt". Islamische Extremisten machten den Fehler, sich den Koran
ohne Verständnis anzueignen. "Es geht nicht um die Buchstaben, sondern um
ihren Sinn." Eine Theokratie sehe der Islam nicht vor: "Niemand darf im
Namen Gottes handeln."
Einen
Konflikt zwischen europäischem Rechtsstaat und Islam sieht Elshahed, der
auch an der Al-Azhar-Universität in Kairo lehrt, nicht: "Die Gesetze jeder
Gesellschaft sind zu achten. Die einzige Einschränkung wären Gesetze, die
Muslime zu etwas zwingen, was gegen ihre Religion ist. Das ist in keinem
einzigen europäischen Land der Fall." Auch sei das islamische Recht
dynamisch und passe sich der jeweiligen gesellschaftlichen Situation an.
"Kein Muslim ist gefordert, sein Recht einer Mehrheit aufzuzwingen." Wohl
fordern aber einige Muslime, dass der Islam Staatsreligion wird, sobald
Muslime in der Mehrheit sind.
Wiener
Zeitung
29. Juni 2008
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